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Bambus, in dem Tradition und Moderne ineinander übergehen: ein absolut leerer Raum

△Kim Sang-cheol (Professor an der Dongduk Frauenuniversität und Kunstkritiker)

 

Unter besonderen gestalterischen Systemen, durch die sich die asiatische Malerei auszeichnet, gibt es ein ästhetisches Prinzip namens Bideok (比德). Darunter ist eine Technik zu verstehen, die die Naturgegenstände als Motive des künstlerischen Schaffens verwendet, indem deren eigene Merkmale zu den menschlichen Tugenden in Analogie gesetzt und dieser Zusammenhang durch die bildliche und symbolische Darstellung zum Ausdruck gebracht wird.

 

Diese symbolische Ausdrucksweise war schon in der Zeit vor der Qin-Dynastie (221–206 v. Chr.) weit verbreitet und repräsentative Beispiele sind die natürlichen Motive wie Sagunja (vier Pflanzen: Orchideen, Chrysanthemen, Bambus, Pflaumenbäumen), die Tugenden, die Gelehrte vorzuweisen hatten, symbolisieren, und Sehansamu (drei Bäume: Kiefer, Bambus und Pflaume), die der winterlichen Kälte standhalten können. Das Wesentliche der ästhetischen Erfahrungen, das bei der Sagunja-Malerei zum Ausdruck kommt, liegt in der bildlichen Darstellung der Tugenden (德), die Künstler tief verinnerlichte(比), als Motive der Naturobjekte. Mit anderen Worten ausgedrückt, findet die gestalterische Schönheit durch die Darstellung der moralischen Werte, sprich des subjektiven Konzepts des ästhetischen Subjekts, im Spiegel von Naturgegenständen, die ein ästhetisches Objekt sind, ihren Niederschlag.

 

Die Arbeit der Künstlerin Kim Hyeon-gyeong wird von zwei Elementen, von Tusche als Stoff und Bambus als Motiv, angetrieben. Betrachtet man Motiv und Technik, ist ihre Kunstwelt als Fortsetzung der Tradition zu betrachten. An ihren Werken ist jedoch der Versuch deutlich erkennbar, durch die Abweichung von der Tradition,Zeit und Ort der zeitgenössischen Welt, der die Künstlerin selbst angehört, widerzuspiegeln, statt auf dem Rahmen der Tradition zu beharren. Zunächst spiegelt der Bambus, den Kim als Motiv nimmt, eindeutig dessen Symbolgehalt wider, der sich in der Sagunja-Malerei findet. Doch man muss sich fragen, ob Kim auch die traditionellen symbolischen Bedeutungen von Bambus, nämlich Loyalität, Integrität und Aufrichtigkeit, über die die Gelehrten der Joseon-Zeit (1392-1910) zu verfügen hatten, adaptiert.

 

Bekanntlich sind diese vier Pflanzenmotive ein Resultat von den früheren Zeiten, die ausschließlich auf konfuzianischen Tugenden basiert. Hingegen ist der Bambus in Kims Werken das Mittel, durch das ihre inneren verschiedenen Reflexionen zum Ausdruck kommen. Allerdings steht dieser Versuch mit dem symbolischen Charakter, der dem Bambus in geistiger Hinsicht zuzuschreiben ist, einigermaßen in Zusammenhang, aber es ist dabei klar feststellbar, dass sie zumindest nicht beabsichtigt, durch dieses Motiv die konfuzianischen Tugenden bildlich darzustellen.

 

In der Tat weist der Bambus an sich neben der Tatsache, dass er eine der Tugenden, die die Gelehrten unbedingt üben sollten, verkörpert, ziemlich interessante gestalterische Elemente auf. In dieser Hinsicht sind nicht nur Bambusrohre, die sich geradlinig zum Himmel strecken, sondern auch der Anblick des Waldes aus in Gruppen stehenden Bambussen, die, wie in einer Formation aufgestellte starke Soldaten aussehen, zu nennen.

 

Der Wind, der im Kiefernwald weht, wird als Kiefernwelle (松濤) bezeichnet, während der Wind, der im Bambuswald aufkommt, Bambus-Wind(竹風) genannt wird. Der Bambus-Wind ist durch raschelnde Geräusche von Bambusblättern spürbar, die eine akustische Erfrischung vermitteln. Die Künstlerin will mit dem Bambus nicht an der Darstellung von dessen äußeren Form festhalten, sondern durch die Erfassung und Wiedergabe von subtilen Bewegungen von Wind, Tau und Nebel ihren Überlegungen eine konkrete Gestalt verleihen. Dieser Prozess ist eine Umwandlung von Optik, Physis in Akustik und Emotion. . Wahrscheinlich trifft es eher zu, zu sagen, dass die Bildfläche der Künstlerin zu spüren ist, anstatt zu sehen.

 

Kims Bambus ist voll von extremer Stille. Nicht nur die straff aufrecht wachsenden Bambusbäume, die in Kolonien zum Himmel ragen, sondern auch die Bildfläche, die mit einigen Blättern konstruiert ist, strahlt diese Stimmung aus. Durch diesen völlig leeren Zustand (虛靜) trübt sie den Realitätssinn. Außerdem gehen die Bambusbäume der Künstlerin, die mit Tusche, einem äußerst impliziten und umfassenden Material, zum Ausdruck gebracht werden, bereits über objektive Bedingungen hinaus und dienen als Hinweise der Reflexion und Kontemplation.

 

Zwar ist die Bildfläche von absoluter Stille geprägt, aber innerlich ist sie von einer scharfen und atemlosen Spannung erfüllt. Der Bambuswald, der sich in bestimmten Ordnungen aufgestellt zu haben scheint, ist kein Selbstzweck, und dessen Bedeutung ist im Raum, in dem dieses Motiv eingerichtet wurde, abzulesen. Die Paramita können nur erlangt werden, wenn man, der Hektik entfliehend, durch den Bambuswald hindurchgeht, und dieser Raum strömt Reinheit und Ehrfurcht aus, wie man auf dem Weg zu diesem Nirwana spüren kann. Dies ist ein absoluter Raum der Läuterung, die schließlich dadurch sichergestellt wurde, nachdem die verschiedensten Erinnerungen aus ihrem Leben, die durch ihr Inneres entstanden und gereift sind, im Laufe der Zeit bearbeitet worden waren. Das ist der Grund, warum der Bambus in Werken der Künstlerin nicht als bloßes „Werkzeug‟ für die traditionelle Tuschmalerei betrachtet werden kann.

 

Die schlichte und prägnante Komposition von einzelnen Bambusblättern auf der Bildfläche ist für Kim ein anderer Weg zur Bambusdarstellung. Die Bambusblätter, die an dünnen Sprossen gehängt in den leeren Himmel ragen, sehen dermaßen streng und würdevoll aus, dass sie an in Gedanken versunkene Weise erinnern. Durch die Darstellung von dünnen Sprossen und an ihnen hängenden schweren Blättern soll nicht der natürliche äußere Schein zum Ausdruck gebracht werden, sondern durch die Kontrastbildung zwischen diesen beiden Objekten, die den Raum konstruieren, soll für atemlose Spannung gesorgt werden. Das, was das subtile Schütteln von Blättern durch unregelmäßig wehende Winde verkörpert, ist nicht irgendein äußerer Schein, sondern eine Harmonie von musikalischen Elementen wie Melodie und Rhythmus. Durch feine Bewegungen werden in Räumen Resonanzen erzeugt, die wiederum in die äußerst stille Ordnung subsumiert werden. Dies ist eine absolute Leere und ein ganz konzeptioneller Ort, der über die Realität hinausgeht.

 

Obwohl Kim die Tusche als Hauptstoff verwendet, weicht sie von ihrer traditionellen Bedeutung stark ab. Statt der ästhetischen Wirkung, die von traditionellen Pinselstrichen ausgeht, kommt die gestalterisch bearbeitete Fläche zur Geltung. Sie schenkt eher den einzigartigen ästhetischen Besonderheiten, die durch die Überlagerung von Pinselstrichen geschaffen werden, Aufmerksamkeit, als dem in einem Zug entstehenden kräftigen Strich, der in der traditionellen Malerei angestrebt wurde. Diese Technik ist als eine Art Beziehung zwischen Papier und Tusche zu bezeichnen, die durch die Anhäufung von deren typischen physikalischen Eigenschaften hergestellt wird.

 

Die physikalische Eigenschaft eines wasserlöslichen Farbstoffes, das einzieht und sich verbreitet, besteht darin, dass sich Eingriffe und Nicht-Eingriffe überschneiden. Dadurch versucht die Künstlerin nicht nur die Beziehungen zwischen den physikalischen Eigenschaften, sondern auch den Begriff von Zeit aufzunehmen. Zeit ist die Sprache der Natur. Schließlich schafft die Künstlerin ihre eigene konstruktive Bildfläche, indem sie auf der Fläche ihren eigenen gestalterischen Willen, die Eigenschaften der traditionellen Tusche und dadurch realisierte Zufallseffekte unter die Gestaltungselemente subsumiert. Diese Weise ist als Versuch zu betrachten, über die in der traditionellen Tuschemalerei als geistige Werte betonte Doktrin hinweg die Tusche aus gestalterischer Sicht zu interpretieren, indem ihre physikalische Eigenschaft an sich zur Geltung gebracht wird.

 

Bekanntlich stammt die Arbeit der Künstlerin von traditionellen Inhalten wie Tuschmalerei und Motiven der Sagunja. Durch subjektive Interpretation und Bearbeitung kreiert sie jedoch ihre einzigartige Bildfläche, die die etablierten, aber zugleich starren Ansichten überwindet. Das Traditionelle verändert sich nicht nur je nach Zeit, sondern gewinnt auch an neuer Lebensenergie, indem es neue Werte des neuen Zeitalters in sich aufnimmt.

 

In diesem Hinblick ist ihr Streben danach, auf der Tradition basiert Zeit und Ort in der modernen Welt darzustellen, ausreichend zu bejahen. Wenn diese Technik für symbolische Darstellung der Naturgegenstände (Bideok) ein grundlegendes Prinzip zur Gestaltung Anschaffung ist, ist sie in zwei Methoden einzuordnen: die erste ist, dass durch Objekte das eigene Ich zum Ausdruck gebracht werden, und die zweite ist, dass durch das Ich selbst die Objekte interpretiert werden. Die Künstlerin ist in ihrer Arbeit dazu geneigt, die Erstere anzunehmen. Wenn sie auch die Letztere zu übernehmen vermag, d.h. wenn sie durch ihre subjektive Sichtweise und Kontemplation Objekte neu interpretiert und deren Bedeutung ausdrücken kann, wird es ihr möglich sein, an sensiblen Schnittstellen zwischen Vergangenheit und Gegenwart ihre eigene Position zu sichern und neue Orientierungen zu finden.